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Publikationskosten und Zuschussverlage

 

Bitte beachten Sie:   Wir können keine Auskünfte leisten, die den beratenden Berufen vorbehalten sind. Wir leisten vor allem keine Rechtsberatung.

 

Inhalt

::  Eine kurze Einleitung
 
::  Money for nothing: Wie sich mit unerfahrenen Autoren der »schnelle Euro« machen lässt.
 
::  Vom Druckkostenzuschuss: Zahlen für die eigene Leistung?
 
:: Das Buch im Eigenverlag: Drucken Sie Ihr Buch doch selbst!
 
:: Das Schreiben als Mode: regieren Ruhm und Geld nun wirklich die Welt?
 
:: Auch Obelix weiß: Ohne Fleiß kein Preis (vgl. »Asterix und der Arvernerschild«, Band XI, S. 16 et passim): Der Weg zum eigenen Buch.
 
:: Weiterführende Links.
 
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Einleitung

Schön und gut: wir leben in einer kapitalistischen Marktwirtschaft. Das ist nicht weiter schlimm. Wir wissen es alle: das System hat Vor- und Nachteile, wie andere Systeme auch. Wie könnte es bei vom Menschen geschaffenen Strukturen auch anders sein?

Unangenehm wird es, wenn man Verträge vorgelegt bekommt, die die »juristisch wasserdichte« Lizenz zum Gelddrucken und allenfalls moralisch anfechtbar sind. Solches kennt man von Firmenbeteiligungen und »Schnellballsystemen«, aber auch im Bereich der Gesundheitsfürsorge und leider auch im Literaturbetrieb.

Es gibt eben keinen Lebensbereich, der nicht in bare Münze umzusetzen wäre und folglich auch keinen, in dem nicht jemand die schnelle Mark (bzw. den schnellen Euro) machen möchte.

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Wie aber macht man mit Autoren den schnellen Euro?

Sie träumen von der eigenen Veröffentlichung? Sie wollen, dass Ihr Name auf dem Umschlag eines Buches prangt, welches überall im Buchhandel zu erwerben ist und eine ISBN trägt? Vielleicht wollen Sie in Talkshows eingeladen werden, über Ihre Bücher sprechen, Autogramme geben, Lesungen halten und auf der Frankfurter oder Leipziger Buchmesse ausgestellt werden? Sich selbst verwirklichen?

Aber Ihr Roman, Ihre Gedichte oder Ihre Erzählungen passen nicht in das Verlagskonzept der großen und kleinen Verlage? Man verkennt Sie und Ihre Worte? Sie erhalten Absage über Absage: »Vielen Dank für Ihr interessantes Manuskript. Leider...«

Und dann plötzlich kommt dieser Brief, der sich ganz anders anhört als all die anderen Verlagsschreiben? Da heißt es etwa: »Die Lektorenkonferenz unseres renommierten Verlages hat die Buchveröffentlichung Ihres Manuskripts klar befürwortet« oder »Wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu dürfen, dass wir Ihnen bei der Veröffentlichung Ihres Werkes behilflich sein können. Ihr Manuskript ist eines von etwa dreitausend Manuskripten, die uns jährlich geschickt werden und über deren Veröffentlichung wir entscheiden müssen.«

Das hört sich doch gut an! Was nun? Freuen Sie sich, denn das kann ja nie schaden. Und machen Sie dann das, was Sie als hervorragende Autorin und hervorragender Autor ohnehin regelmäßig tun: recherchieren Sie. Vielleicht stoßen Sie dabei auf Spiegel Nr. 35/2000, S. 201 ff. – der Artikel heißt: »Mit Herzblut in den Ruin«.

Lassen Sie sich also von dem Verlag, der Ihnen so schöne und aus der Reihe fallende Briefe schickt ruhig einen Verlagsvertrag zuschicken. Unterzeichnen Sie aber nichts, falls doch: schicken Sie den Vertrag nicht ab. Sondern schauen Sie sich den Vertrag lieber nochmals ganz genau an. Auch Künstler sollten sich mit dem, was Sie unterzeichnen und wozu sie sich mithin verpflichten auseinandersetzen. Vergleichen Sie den Vertrag mit dem Verlagsgesetz (VerlG) oder mit dem Normvertrag vom Verband deutscher Schriftsteller (IG Medien, ver.di), der mit dem »Bund deutscher Schriftsteller e.V.« (BDS) übrigens nicht identisch ist.

Nach dem Normvertrag des Verbandes deutscher Schriftsteller wird der Autor für sein Werk (also für seine Arbeit) bezahlt – wie ja auch der Handwerker bezahlt wird, wenn er Rohre legt, der Eisverkäufer, wenn er Eis verkauft, der Grafiker, wenn er Grafiken erstellt oder der Anwalt, wenn er Verlagsverträge überprüft.

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Zahlen für das eigene Produkt? Hä???

Was steht in dem Vertrag, den man Ihnen geschickt hat? Bekommen Sie Geld für Ihren Text oder sollen Sie (zunächst) Geld bezahlen? Sollte letzteres der Fall sein, ist in aller Regel vom Unterzeichnen und Absenden des Vertrages dringend abzuraten.

Sollten Sie ein Noname sein, ist es nicht ungewöhnlich, dass Sie – etwa von Literaturzeitschriften – kein Geld, sondern nur ein Belegexemplar (auf das Sie freilich bestehen sollten) erhalten. Dass Sie aber für Ihre eigene geistige Leistung auch noch bezahlen sollen, stellt unseres Erachtens die Normalität auf den Kopf.

Es kann doch nicht angehen, dass Sie sich zur Abnahme Ihres eigenen Werkes oder gar zur finanziellen Zuzahlung verpflichten. Was hätten Sie gemacht, wenn ein Verlag Ihr Buch zwar veröffentlichen würde, in dem Verlagsvertrag aber stünde, dass Sie bei Verkauf des Buches keinen Cent erhalten? Sie hätten wahrscheinlich abgelehnt und den Vertrag nie und nimmer unterschrieben. Wieso aber sollten Sie dann einen Vertrag unterzeichnen, bei dem Sie auch noch zuzahlen müssen?

Nehmen Sie doch einmal an, der Verlag verlangt »nur« 1.000 Euro Zuzahlung. Dann können Sie Ihr Buch gleich selbst drucken lassen. Wenn hingegen zu erwarten ist, dass sich ihr Buch so gut verkauft, dass die 1.000 Euro wieder in die Kasse kommen, dann kann der Verlag auch das wirtschaftliche Risiko eingehen, auf jeden Zuschuss von vornherein zu verzichten. Nur bei der Publikation von Dissertationen und Habilitationen oder ähnlichem mag eine Zuzahlung noch Sinn machen, weil es Ihnen dann um den Titel geht, und Sie das Werk präsent halten müssen.

Überlegen Sie doch einmal: Sie haben etwas erarbeitet, hergestellt, produziert, haben Zeit und Kraft und jede Menge Gehirnschmalz investiert und nun kauft man Ihnen Ihre Arbeit nicht ab, sondern verlangt dafür – mit verschiedenartiger Begründung – auch noch Ihr Geld! Funktioniert so die kapitalistische Marktwirtschaft? Leistung ohne Gegenleistung? Da müssen Ihnen doch Zweifel kommen.

In seinen Aufnahmebedingungen: schreibt der »Verband deutscher Schriftsteller«: »Mitglieder können alle haupt- und nebenberuflichen deutschsprachigen Autorinnen und Autoren, Übersetzerinnen und Übersetzer sowie alle auf dem Gebiet der Bundesrepublik lebenden fremdsprachigen Schriftsteller werden, die ihr fachliches Können durch ... eine (nicht selbstfinanzierte) Buchveröffentlichung ... nachgewiesen haben.«

Ein Schriftsteller, der etwas auf sich und sein Werk hält, bezahlt also für (s)eine Publikation nicht, er wird bezahlt.

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Drucken Sie ihr Buch doch selbst!

Wenn Sie freilich nicht gerade Mitglied im »Verband deutscher Schriftsteller« werden wollen und es besonders eilig haben, dann beschränken Sie sich doch auf Auslagen in Höhe der reinen Druckkosten, und publizieren Sie Ihr Buch im »Eigenverlag«, oder nutzen Sie »Print on Demand«. Ein Zuschussverlag wird kaum billiger sein. Im Buchhandel werden Sie genügend Ratgeber zu Fragen der Eigenpublikation finden.

Schauen Sie doch spaßeshalber nochmals in den Vertrag, den Sie bekommen haben. Wenn sich der Verlag zum Druck von mindestens einem oder mehreren Büchern verpflichtet hat, dann bedeutet das zugleich, dass er eben nur zum Druck dieser Anzahl verpflichtet ist! Meinen Sie, Sie werden berühmt, wenn es auf dem gesamten Weltmarkt genau ein Buch mit Ihrem Namen gibt?

Vergleichen Sie Print-on-Demand-Angebote vor allem unter zwei Aspekten.
Erstens: Wo ist der Druck, bei gleicher Qualität und Leistung, am günstigsten?
Zweitens: Wo behalten Sie alle Ihre Rechte am Werk?

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Ruhm und Geld regieren die Welt?

Wieso schreiben Sie? Weil es in Mode gekommen ist? Weil es alle so machen? Weil es etwas besonders ist, Schriftsteller zu sein: unabhängig, frei und intellektuell? Wenn alleine das Ihre Gründe sind, dann lassen Sie's!

Oder würden Sie auch schreiben, wenn Sie wüssten, dass Sie zu Lebtagen damit keinen einzigen Cent verdienen? Wenn letzteres gilt: schreiben Sie weiter und weiter und weiter. Sie werden es ja eh tun...

Und wenn nicht nur Sie, sondern auch andere Ihre Texte lieben, dann wird man Sie dafür irgendwann auch bezahlen.

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Der Weg zum eigenen Buch

Sie haben geschrieben, geschrieben und geschrieben und wollen nun doch, dass Ihr Werk ein größeres Publikum erreicht. Sie wollen mit Ihren Geschichten (etwas) bewegen? Die Verlage wollen aber keinen Noname publizieren, da sie (es sei denn es handelt sich um Zuschussverlage) das wirtschaftliche Risiko tragen und nie genau wissen können, wie ein Buch ankommt. Was nun?

Arbeiten Sie weiter! Schuften Sie Tag und Nacht! Arbeiten Sie an Ihrem Stil und Ihrem Ausdruck. Lesen Sie Ihren Freunden und Bekannten vor. Lesen Sie in Kulturläden auf der sog. »freien Bühne« und an »offenen Abenden«. Beobachten Sie, wie das Publikum auf Ihre Texte und Worte reagiert.

Oder Schreiben Sie für Zeitungen und Zeitschriften, vergleichen Sie dazu das

»Handbuch deutschsprachiger Literaturzeitschriften«
von Dorothée Leidig und Jürgen Bacia.

Geben Sie sich mit wenig zufrieden. Bleiben Sie am Ball, und versuchen Sie nicht sogleich Ihren ersten »Roman« zu veröffentlichen, erhoffen Sie sich nicht gleich den Pulitzer-Preis oder den Friedenspreis des deutschen Buchhandels.

Übrigens: Ihre Texte sind bereits ab deren Erstellung durch das deutsche Urheberrechtsgesetz geschützt, ohne dass weitere Maßnahmen erforderlich wären. Sie müssen im Zweifel also lediglich nachweisen können, dass Sie das Werk (selbst) und wann Sie es erstellt haben. Sie können es ja bei Personen Ihres Vertrauens oder bei einem günstigen Anwalt hinterlegen.

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Weiterführende Links

Wenn Sie noch nicht überzeugt sind und prüfen wollen, was Sie hier lesen, dann gehen Sie bereits einen wichtigen und richtigen Schritt hin zur Selbstverantwortung.

Durchsuchen Sie das Internet bitte auch selbst nach Informationen über Zuschussverlage und nach Erfahrungsberichten von Autoren, die sich solchen Verlagen anvertraut haben. Weiterführende Information erhalten Sie z.B. beim Autorenhaus.de.

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